Tag der Autonomie 2022

Dekorative Grafik

50 Jahre Zweites Autonomiestatut

Am 5. September begeht das Land Südtirol den Tag der Autonomie. Bei einem Festakt im Kurhaus von Meran stellte es einen ganz besonderen Meilenstein der Südtiroler Geschichte in den Mittelpunkt: das Inkrafttreten des Zweiten Autonomiestatuts vor 50 Jahren. Obwohl sich Italien bereits mit Unterzeichnung des Pariser Vertrages am 5. September 1946 verpflichtet hatte, die in Südtirol lebenden Minderheiten zu schützen, konnten die Schutzinstrumente wie Gleichstellung der Sprachen, Stellenproporz oder muttersprachlicher Unterricht erst mit dem Zweiten Autonomiestatut ab 1972 ihre Wirkung entfalten. In der Folge wurde die Autonomie laufend ausgebaut und weiterentwickelt.

Österreichs Bundesministerin für die Europäische Union und Verfassung Karoline Edtstadler, Italiens Minister für Wirtschaft und Finanzen Daniele Franco und Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher zusammen mit Günther Platter und Maurizio Fugatti, Landeshauptleute aus dem nördlichen und südlichen Nachbarland, den beiden Euregio-Partnerländern Tirol und Trentino, hielten die Festansprachen. Gleich zu Beginn richteten Thinlay Chukki, Vertreterin der Tibetischen Exilregierung für Mittel- und Osteuropa, und Oliver Paasch, Ministerpräsident der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, im Gespräch mit Moderatorin Karin Gschnitzer und Moderator André Comploi den Blick auf die sehr unterschiedliche Situation anderer Minderheiten in Europa und auf der Welt. 

Musikalisches Programm

Eine Hommage an die Autonomie des Landes Südtirol und die beiden Vertragsstaaten stellte schließlich das umfangreiche musikalische Programm dar: Das Haydn Orchester unter der Leitung von Diego Ceretta hatte passend dazu nicht nur Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Giuseppe Verdi ausgesucht, sondern auch vom zeitgenössischen, in Genua geborenen Komponisten Marcello Fera, der Meran zu seiner Heimat gemacht hat. Zudem spielte Chantal Romana Veit auf der Querflöte ein Concertino für Flöte und Orchester von Cecile Chaminade, für das sie im Mai 2022 in Wien mit dem Klassik-Nachwuchspreis "Goldene Note" ausgezeichnet worden war. Den feierlichen Abschluss der Veranstaltung bildete schließlich die Europahymne, den der Landesjugendchor Südtirol unter der Leitung von Johann van der Sandt gemeinsam mit dem Haydn Orchester vortrug. 

Südtirols Autonomie im Überblick

Das Zweite Autonomiestatut war das Ergebnis langjähriger, zäher Verhandlungen. Die Grundlage dafür bietet das völkerrechtlich bindende Gruber-Degasperi-Abkommen (Pariser Vertrag) vom 5. September 1946. Es folgte das Erste Autonomiestatut vom Februar 1948, das kaum direkte Autonomie für Südtirol, sondern weitgehend für die neu geschaffene "Region Trentino-Alto Adige/Tiroler Etschland" vorsah. Es folgten Jahre des Unbehagens in Südtirol mit Protesten und Widerstand. Österreich als Vertragspartei des Pariser Vertrags warf die Südtirolfrage schließlich vor den Vereinten Nationen auf. Schließlich stand ein Kompendium aus 137 Maßnahmen zur Diskussion: Dieses "Paket" nahm die Landesversammlung der Südtiroler Volkspartei am 22. November 1969 mit knapper Mehrheit an und machte so den Weg frei für das Zweite Autonomiestatut, das am 20. Jänner 1972 in Kraft trat. Es bildet bis heute die Grundlage der umfassenden Autonomie Südtirols.